Stadtmauerrundgang

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Strecke: 1,5km
Gehzeit: circa 30 Minuten

Die Hilpoltsteiner Stadtmauer ist, bis auf ein kurzes Stück an der Ostseite, fast auf voller Länge stehen geblieben und durchgehend zwischen 150 und 160 cm stark. Sie besteht aus 30 bis 40 cm hohen Sandsteinquadern als Füllmauer zwischen einem Mantel aus Buckelquadern mit Zangenlöchern.

Der Wehrgang, der noch an zwei Stellen erhalten ist, verlief hinter einer 30 bis 40 cm breiten Brustwehr auf der Mauerstärke. Umgeben war der 1100 Meter lange Mauerring mit einem vorgelagerten Graben.

Der Zugang zur Stadt war nur durch das stark befestigte Obere und Untere Tor möglich. Die Hauptstraße verband die beiden Zugänge und führt noch heute am Marktplatz und am Rathaus vorbei, das dort 1417 als Markthalle und Getreidespeicher errichtet wurde. Bis auf den Döderleinsturm wurden alle Stadttürme im Laufe der Zeit abgebrochen.

Das Areal der Burg bildet einen Teil der Stadtbefestigung. Herrschaftssitz und Siedlung entwickelten sich zusammen im Laufe der Jahrhunderte. Befestigungsanlagen aus Holz und Erde sind in Hilpoltstein schon seit spätmerowingischer-karolingischer Zeit nachweisbar.

Der mächtige Erdwall nördlich der Burg diente im 10. Jahrhundert vermutlich zur Abwehr der aus dem Gebiet des heutigen Ungarn in das Ostfränkische Reich einfallenden Reiterkrieger. König Heinrich I. stellte ein Heer von Panzerreitern auf und ließ zum Schutz der Bevölkerung auf Anhöhen Fluchtburgen errichten. Die Verteidiger und Dienstmannen dieser Orte hießen Burgenses oder Bürger.

Um 1050 erfolgt der Ausbau der Burganlage in Stein während die Siedlung zunächst nur mit Erdwall, Gräben und Palisaden geschützt war. Sie hatte noch nicht den Umfang der heutigen Stadtmauer erreicht.

Ab 1150 bauten Gefolgsleute des Staufers Friedrich Barbarossa Burg und Stadt massiv aus. Die selbe Bauhütte, die auch in Gelnhausen die Kaiserpfalz errichtet hatte, war auch an der Hilpoltsteiner Burg am Werk. In der nachfolgenden Zeit wurde auch die alte Stadtbefestigung bis zur heutigen Mauerlinie erweitert. Der Bau der Stadtmauer erfolgte dann um 1220/30 – vermutlich durch Handwerker aus der Region nach dem Vorbild der Steinmetzarbeiten an der Burg.

Die Mauern der Burg und der Stadt, zu dieser Zeit mit weißer Kalkfarbe überzogen, waren ein von weitem sichtbares Symbol kaiserlicher Macht und bürgerlichen Stolzes. Der Privilegienbrief aus dem Jahr 1392 mit der ersten urkundlichen Nennung der „Stat zum Stain“ bestätigte die längst bestehenden Stadtrechte. Wie weit diese tatsächlich zurückreichen, wissen wir nicht genau.

Im Schutz ihrer Mauern profitierten die Bürger der Stadt in friedlichen Zeiten gleichermaßen vom Handel, wie sie in kriegerischen unter den militärischen Auseinandersetzungen litten. Im Verteidigungsfall hatten die einzelnen Stadtteile bestimmte Mauerabschnitte zu besetzen. Natürlich mussten die Männer Hilpoltsteins dazu regelmäßige „Wehrübungen“ leisten. Waffen, Pulver, Geschosse und Rüstungen lagerten in den Stadttürmen und im Zeughaus. Und obwohl die fortschreitende Kriegstechnik rasch den militärischen Nutzen der Stadtmauer überholte, blieb der Mauerring noch bis ins 20. Jahrhundert hinein prägend für das Stadtbild.

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Stadtmauerrundgang

Hilpoltstein

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