Liebe Hilpoltsteinerinnen und Hilpoltsteiner,
vieles hat sich in meiner und unserer Stadt getan und verändert. Nur ich bin immer noch hier und blicke stolz auf unsere schöne Stadt. Hilpoltstein ist seine Zukunft stets mutig und voller Tatendrang angegangen. Und wer könnte es besser beurteilen als ich? Immerhin stehe ich schon fast 500 Jahre hier.
Markus Mahl hat sich bereits im letzten Grußwort verabschiedet und sein Nachfolger Felix Erbe ist erst ab dem 1. Mai im Amt. Also springe ich ein und nutze die Gelegenheit, mich nach all den Jahren einmal bei euch zu melden.
Ich habe von meinem lauschigen Plätzchen aus vieles gesehen und habe zuletzt aufmerksam den Wahlkampf in meiner schönen Stadt beobachtet und euch alle vielleicht auch ein bisschen belauscht, wenn ihr euch vor meinem Brunnen unterhalten habt. Was auffällt? Alle Kandidatinnen und Kandidaten gingen fair und oft sehr freundschaftlich miteinander um. Alle haben ihre Stärken herausgestellt und keiner auf die Schwächen des anderen gezeigt. Also eher ein Wahlwettbewerb als Wahlkampf, von Kampf habe ich zumindest nichts mitbekommen. Und ich freue mich, dass wir wieder eine bunte Truppe demokratischer Stadtratsmitglieder haben, die sich mit ebenso viel Herzblut für Hilpoltstein einsetzen werden, wie die der letzten Wahlperiode. Da habe ich in meinem langen Dasein schon ganz anderes gesehen und hoffe, so etwas nie wieder miterleben zu müssen. Ich vertrau auf euch, dass ihr das zu verhindern wisst.
Besonders gespannt war ich natürlich, wer mein neuer Nachbar hier im Rathaus wird. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals so knapp war und das Ergebnis kaum vorherzusagen. Aber was sind die Pläne meines neuen Nachbarn? Natürlich konnte ich da meine Neugierde nicht bändigen und habe direkt nachgefragt.
Wir alle wissen, dass ihm der Katastrophenschutz sehr am Herzen liegt, aktiv beim THW und in der Zusammenarbeit mit unseren Feuerwehren, aber ebenso auch im Bereich Klima und Umwelt. Hier steht in den nächsten Jahren der Hochwasserschutz in unseren Ortsteilen auf dem Plan. Um energieunabhängiger zu werden, will Felix Erbe im Bereich der Windkraft weiterkommen. Wichtig aber: auf die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden und insbesondere auf bürgergenossenschaftliche Modelle setzen, von denen die Menschen vor Ort auch etwas haben.
Für die Hilpoltsteiner Kinder will der Grundschullehrer die konkrete Planung für die Sportstätten an der Grundschule mit dem Stadtrat vorantreiben und für das Zusammenleben aller Generationen einen mutigen Weg im Umgang mit dem Bauturbo finden, der einen echten Mehrwert für die Bevölkerung bietet.
Die Bevölkerung mitnehmen, ein offenes Ohr haben und transparent über die Arbeit im Rathaus und im Sitzungssaal informieren sind für ihn zentrale Anliegen und darüber hinaus eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den neuen und alten Kolleginnen und Kollegen im Stadtrat. Auch dort steht erst einmal ein Kennenlernen auf dem Programm: immerhin sind jetzt auch zehn neue Gesichter im Stadtrat vertreten. Dazu geht es im schon im Juni auf Klausurtagung, um sich kennenzulernen, aktuelle Projekte und Themen zu besprechen und das Stadtleitbild gemeinsam weiterzuführen.
Apropos gemeinsam – er wird ja jetzt auch der Chef von über 100 Stadtangestellten. Er setzt auf ein gutes Miteinander in der Verwaltung, wie er mir sagte, und freut sich schon, die neuen Kolleginnen und Kollegen und ihre Arbeit kennenzulernen. Da bin ich ja gespannt, was ich von meinem zentralen Platz zwischen den Rathäusern so hören werde. Nicht, dass ich lauschen würde… Aber ich mache mir wenig Sorgen: Für ihn ist klar: Zusammenarbeit und Kennenlernen geht nur im direkten Gespräch und bei den Teams vor Ort. Also wird hier und da aus dem Bürgermeister wohl sicher auch mal ein Schnupperpraktikant, wenn er sich ab Mai in seine neue Rolle einlebt: Kolleginnen und Kollegen, Abläufe, Aufgaben und Prozesse kennenlernen und darüber hinaus natürlich alle Aufgaben übernehmen, die ein Bürgermeister zu erledigen hat. Eine ganze Menge für eine Einarbeitungszeit. Viel Zeit zum Verschnaufen hat er auch zuvor nicht: besuchte er noch in den Osterferien Seminare für neue Bürgermeister, ging es danach noch einmal zurück an seine Schule, die er Ende April „mit einem lachenden und einem weinenden Auge verließ“, um dann direkt ins Rathaus zu wechseln.
Doch natürlich warten hier nicht nur Aktenstapel, sondern vor allem einige Veranstaltungen, die die Menschen nun endlich wieder nach draußen ziehen: Los geht es direkt mit dem Maibaumaufstellen in den Ortsteilen und dann erwarten ihn auch schon die „Feuerprobe“ auf der Bühne des Mittelalterfests, bevor es etwas gemütlicher auf dem Pfingstmarkt zugeht, um nur drei der zahlreichen Veranstaltungen im Mai zu nennen.
Ich selbst freue mich nun darauf, unsere Stadtratsmitglieder und unseren neuen Bürgermeister kennenzulernen und natürlich, euch wieder draußen am Marktplatz zu sehen, ein bisschen zu belauschen und mich mit euch auf den Sommer zu freuen.
Euer Brunnenmännlein

